Stefanie Steenken

Du sprichst viel zu schnell
und das generell,
nuschelst in den Bart, den du gar nicht hast.
Bist du aufgebracht, wird es schlimmer,
viele verstehen gar nichts,
ich verstehe immer.

Die anderen hängen an meinen Lippen,
du wünschst dir, könnt die Zeit schneller ticken.
Kannst nichts anfangen mit meinen Geschichten,
liest nicht zu Ende, ich will nicht richten,
denn es ist auch ein wenig für mich,
es ist mein Weg, aber dein Gedicht,
entstanden durch Gedanken an dich,
erfreuen kann ich dich damit nicht.
Du verdrehst die Augen,
denkst dir „Hab Erbarmen!“,
aber heute ziehe ich´s durch,
heute gibt es keine Gnade.
Ich werds aufschreiben,
ich werds vortragen,
heute werd ich dir alles sagen.

Es ist dein Geburtstag,
ich hab´ kein Geschenk dabei,
aber das ist mir einerlei,
Willst du lieber Sachen?
Ich will lieber was machen.
Ein Event, daran könnten wir uns erinnern,
ich nehm´ dich mit zu den Beginnern.
Mit leeren Händen kommen wir eh nicht, mitnichten!
Du bekommst Bilder von deinen Nichten.

Und noch dazu lass mich kurz reden
und dir erklären,
ich will dich nicht quälen,
ich kann mich einfach nur nicht wehren.
Vielleicht ist es so geschickt?
Poetry Slam cooler als ein Gedicht?!
Sehe ich jetzt Stolz in deinem Gesicht?
Das wäre eine Ehre für mich!

Worauf kommt es im Leben an?
Immer nur auf „Frau und Mann“?
Danach möchte ich mich nicht richten,
ich schreib meine eigenen Geschichten,
und auch wenn´s mir nicht egal ist,
was die anderen sagen,
irgendwann muss man diesen Schritt wagen.
Wenn du dich nicht wohl fühlst, in dir drin,
kannst du im Leben nichts mehr gewinnen.

Lass dich nicht unterkriegen,
indem, was du machst,
wird dir ständig erzählt,
was du alles nicht schaffst,
aber ich schaue dich an
und sehe, was du kannst.
Mir ist bewusst, dass du nicht einfach bist,
aber ich nehm´ dich so, wie du eben bist.

Lass das Materielle sein,
das ist doch eh nur alles nur zum Schein
und hilft kurzweilig zum Glücklich sein,
du hast es selbst in der Hand,
du bist dein eigener Mann,
du bestimmst, was du hast und was du lässt,
was du magst und was dich stresst.

Natürlich kannst du nicht nur zuschauen,
du musst dir deinen eigenen Weg bauen,
und dir was zutrauen!
Manchmal hilft reden,
manchmal nur gehen.
Manchmal zwingt es jeden in die Knie,
man muss was tun für Harmonie.
Leicht ist es für keinen,
du selbst entscheidest, willst du zu zweit sein oder allein?!

Du hast alles, was du brauchst,
mir ist es egal, was du alles rauchst,
aber du hast drei Frauen, die auf dich bauen,
zwei davon, die zu dir hochschauen,
für diese solltest du alles geben,
für diese lohnt es sich zu leben,
du weißt das, du machst das,
auch wenn´s nicht immer Spaß macht,
aber was soll ich hier groß reden,
du bist erwachsen, so ist das Leben.

Schieb all die Zweifel nur einmal beiseite,
egal was du tust, ich bin auf deiner Seite.
Ich weiß wie du bist,
ich weiß, wie du tickst,
denn ich war dabei,
wir waren zu zweit.
Ich kann gut Geschichten packen in Worte,
gehe gedanklich zurück an die Orte,
kann das Geschehen sehen, wo das Geschehen geschehen,
das Erlebte bebte und Eindrücke hinterließ,
wie unser Leben verlief.

Unsere Gedanken sind so oft gleich,
egal, wie schnell die Zeit verstreicht,
sie kommen herauf aus dem Dunkel ans Licht,
dabei wollen wir das eigentlich nicht.
Das soll doch keiner sehen,
denn das tut noch immer weh!
Also lasst mich bloß in Ruhe
nach all diesen Jahren,
mit all diesen Fragen,
denn all diese Narben
sind immer noch zu sehen,
nichts ist ungeschehen,
es ist in uns drin,
lasst mich so, wie ich bin:
ein innerlich verletztes Kind.

Ich will dir hiermit nur sagen,
in all diesen Tagen,
ich bin für dich da, wann immer du willst,
mach dich frei, sei dabei,
bleib bei dir
oder komm zu mir
egal, wann und wie,
ich steh immer zu dir.

Heute sage ich dir, dass ich dich liebe
ich, deine Schwester,
deine Familie

2018 © Stefanie Steenken 
Foto: Pixabay 

Immer noch und immer wieder
knie ich vor deinen Zeilen nieder,
berauschend und heiß,
machst du mich wuschig und weich,
so können wir nicht weitermachen,
ich kann nicht mehr darüber lachen,
es ist zu ernst, ich bin verzweifelt,
es ist wie ein in Stein gemeißelt
verlorenes Verlangen,
nicht erst seit kurzem, nein, seit langem.
Wir triebens nie, nur jetzt zur Spitze,
schon beim Schreiben ich nun schwitze,
wegen der Gedanken, die mich dabei überkommen,
das Feuer brennt und hat begonnen
lauthals zu lodern zwischen uns,
die Flammen hoch, nicht mehr zu toppen,
wie können wir das jetzt noch stoppen?

Ist das nun pure Leidenschaft,
die dann den anderen Leiden schafft?
Das müssen wir vermeiden
und somit bleiben bei den Zeilen.

Aber gerade diese Ekstase
bringt uns so richtig ins Gerase,
ich sag dir zwar, ich bluffe nur,
doch ablegen werd´ ich kein Schwur,
denn so vage in Rage sag ich dir, was ich so habe,
und du sagst, was du so willst,
und das ist nicht zusammen chillen.

Ich töne groß, ich brauch keinen Mann,
alleine ich es besser kann,
da schreibst du mir, wenn auch im Spaß,
ich schreib zurück und gebe Gas
und dieses wird zum Wortgefecht,
was ist nun Spaß und was ist echt?
Und hab nur ich mich jetzt erkannt,
ins Wörterspiel mich so verrannt?!
Wir machen das seit Jahren, immer wieder abgefahren,
jetzt erst wird es uns zu viel,
weil wir merken, wir kommen zum Ziel?
Und wir scheinen endlich dort angekommen,
wo all unsere Worte damals begonnen,
denn vor Jahren schon, früher beruflich noch,
war eine Mail von dir für mich ein Hoch.
Mit dir wars immer zum Lachen und nicht zum Weinen,
erst jetzt fällt mir auf, umarmen kann man sich schlecht alleine.

Was mach ich nur, was mach ich bloß?
Ist nun Poetry-Slam mein großes Los?
Ich lieg im Bett und strecke mich,
noch ist es dunkel ohne Licht,
mein erster Gedanke geht an dich,
mit Augen zu, da lieg ich da,
stelle mir vor, so wunderbar,
einen menschenleeren Raum,
er verschwimmt, ist´s nur ein Traum?
Nein halt, jetzt wird es wieder klar,
ich tauche auf, ich hör ein „blubb“
und sehe deutlich: Es ist ein Club.

In Gedanken sehe ich uns auf dem Boden wälzen,
um im Anschluss zu verschmelzen.
Wenn wir uns jemals wiedersehn,
dürften wir nicht nebeneinander stehn,
es dürfen sich nur unsere Blicke treffen,
sonst ist nichts mehr zu retten,
vergessen dann die Scham und Würde,
es wäre nun die letzte Hürde,
wird der Abstand dann zu klein,
stehe ich für nichts mehr ein,
denn deine Worte klingen nach,
sind nicht vergessen, sie liegen brach.

Bei mir ist alles einerlei,
denn vier Jahre sind vorbei,
ich bin jetzt wieder ich und frei,
ich kann machen, was ich will,
und mir wär´ danach mit dir zu chillen.
Ich denk, es ist doch nur ein bisschen Gebelle,
dann lese ich dich und mein Herz schlägt schneller.

Ein Treffen können wir nun kaum noch bringen,
denn du lässt diese eine Seite in mir erklingen,
es geht mit mir durch, wie manch ein Pferd,
ist das die ganze Aufregung wert?
Sonst war es mit dir lustig, gemütlich,
wenn auch zwischen den Zeilen anzüglich,
nun schreibst du mir vom Halten und Wärmen
und ich kann nichts anderes mehr außer schwärmen.

Ich frage mich, sollen wir nun oder sollen wir nicht?
Und wer ist dann der Bösewicht?
Sollen wir einfach das Leben leben,
auch mal Mut und Schwäche hegen,
sich auf den Weg ohne Ziel begeben,
nicht alles auf die goldene Waage legen,
auch wenn all dies verboten, weil du vergeben?

Somit können wir nur beim Schreiben bleiben,
uns laben und reizen an unseren Zeilen,
ein Treffen sollten wir dringlichst vermeiden,
dieses unmöglich geworden ist,
weil die Leidenschaft nun kommt ans Licht.
In meiner Realität ist es für alles von nun an zu spät,
denn du und ich zu zweit –
wird zur Möglichkeit.

Jetzt will ich es wissen,
dich treffen und küssen,
dich sehen und spüren,
anfassen und berühren,
du sollst mich halten und packen,
an Schultern, am Nacken,
lass uns genießen den Genuss,
wie wird er sein – der erste Kuss?
Unsere Körper werden sich verdrehen,
wir werden die Welt nicht mehr verstehen,
wir könnten uns in die Augen sehen,
uns einig werden, noch weiter zu gehen,
uns halten und genießen,
um sie dann gemeinsam zu schließen.

Dann das Gewissen: „Das kann ich nicht tun!“,
sage dir deshalb, ich belle nur.
Doch du erkennst mich und hörst nicht auf,
so nimmt unsere Gier zueinander den Lauf
und wir klettern immer weiter bergauf,
ich frage mich: „Was macht du nur, Kind!“,
nur irgendwo muss die Energie doch hin!
Und gleich darauf macht mein Telefon piep,
versetzt mir mit Lesen deines Namens einen Hieb,
und beim Erkennen deiner Worte wird mir ganz benommen,
leichte Röte hat meine Wangen erklommen,
denn alles was du schreibst,
lässt mich ganz und gar nicht kalt.
Du willst mich berühren,
du willst mich verführen,
und das erste Mal seit Jahren,
kann ich nicht einfach zu dir fahren,
um mich zu stellen diesem Gericht,
denn ich meine zu spüren, wie ernst es diesmal ist.
Ich kann dir dies alles nicht sagen ins Gesicht,
nicht mal bei schummrig dunklem Licht,
wo nur wir beide – du und ich,
das traue ich mich einfach nicht.
Ich schreibs dir auf, ich werds dir schicken,
dann bist du stolz und wirst mir danken.
So können wir unser Geheimnis bewahren,
wollen wir dann nicht doch alles wagen?!
Wenn´s keiner weiß und niemand erfährt,
ist es das Zweisein doch sicherlich wert.
Ich verspreche dir, ich verrate nicht,
für wen dies alles geschrieben ist,
nur du wirst wissen, es ist für dich.

2017 © Stefanie Steenken 
Foto: Pixabay 

Ich sitz im Auto und bin gestresst,
muss nach Neukölln, das gibt mir den Rest.
Überall Stau hier, dabei bin ich im Zeitdruck,
neben mir sitzen sie und fressen ihr Junkfood.

Ich hab einen Termin für meinen eigenen Weg,
da muss ich pünktlich sein und nicht zu spät.
Ich will mich präsentieren, ein gutes Bild von mir abgeben und nichts verlieren,
sondern gewinnen. Einen Eindruck hinterlassen, einen grandiosen,
aber mir schlottern die Knie und ich mach mir gleich in die Hosen.

Dabei wollt ich mich nicht mehr mit anderen messen,
ich ärgere mich, denn ich hab meinen Mantel vergessen.
Meinen Mantel, der mich selbstbewusst macht,
in diesem Mantel hab ich Macht.
Er kleidet mich wie eine Frau,
ich fühl mich gut und ein bisschen schlau,
er gibt mir ein Aussehen, er gibt mir Kraft,
in dieser Hülle hab ich alles geschafft.
Und eben dieser liegt nun zu Hause im Flur,
das anstehende Meeting, wie schaff ich das nur?
Und dann denk ich, du hast doch an, was du brauchst,
denn deine Lieblingsjeans, die tun´s doch auch.

Noch im Wagen hole ich Zettel und Stift,
kritzle beim Fahren all das auf den Wisch.

Es ist nicht egal, was du anhast,
nimm das aus dem Schrank, was dich anmacht.
Wenn du gut bist in dem, was du liebst,
authentisch bleibst und du gibst,
von dem, was du mit Leichtigkeit schaffst,
hast du im Leben ganz Großes geschafft.

Man darf auch mal was verpassen.
Man muss sich nicht ständig anpassen.
Das sollte man dann auch wirklich wollen,
um somit dem anderen Respekt zu zollen.

Ich nenn mich Autor bevor ich rauskomm,
ist das nicht peinlich, wenn das rauskommt?!
Nee. So ist mein Leben eben,
es nimmt seinen Lauf, ich sattle auch mal von hinten auf,
das ist nicht verkehrt,
erst schafft man was und dann kommt der Wert.

Ich fühl mich viel zu oft als Maus,
denn eigentlich bin ich ein Pfau.
Mit seiner Pracht er uns begeistert,
nicht wie die Maus im Dunkeln geistert,
er zeigt, was er hat, er ist stolz und mächtig,
er weiß eben, er ist prächtig.
Alle wollen eine Feder von ihm haben,
sich an dieser Schönheit zu Hause noch laben,
aber wenn jeder ´ne Feder von diesem Vieh kriegt,
überlegt doch mal wie´s dann später aussieht.
Dann ist auch er grau und kann nichts mehr tun,
dann sieht er aus wie ein gerupftes Huhn.

Da frage ich mich, will ich überhaupt so ein Tier sein?
Und glänzen mit meinem Federkleid?
Ich habe doch was zu zeigen,
ich muss doch nichts beweisen.
Ich könnte mit meinen Reden
einen Anstoß zum Denken geben
und von meinem Leben erzählen.
Euch ein Andenken mitgeben
und einen schönen Abend verleben.
Es wäre doch fantastisch, wenn manch einer später dann sacht:
Man, habe ich heute wieder gelacht,
über diese Frau da auf der Bühne mit ihren Reimen,
so gehört habe ich das noch von keinem,
das hat mich wirklich arg berauscht,
diese Feder will ich auch!

Ich glaub, dazu brauch ich kein Pfau sein,
ich muss einfach nur genau sein,
ohne zu wissen, ob es klappt,
einfach zeigen, was ich mach.

Kleide dich so, wie du wirken willst, aber ohne zu vergessen,
dass nicht das Aussehen gilt, sondern mit Emotionen zu treffen.
Das Stündchen Fleiß solltest du nicht schwänzen,
denn so kannst du mit Können glänzen.
Und im Anschluss dann, dann darfst du dich mit Schampus begießen,
denn was sagt mehr aus, als wenn nach deinem Auftritt Tränen fließen?

Jeder hat was zu erzählen,
was, das soll er selbst sich wählen.
Im Endeffekt musst nur du allein,
zufrieden und glücklich mit dir sein.
Wenn du dich selber liebst,
dir auch mal deine Schwächen vergibst,
dann bist du wirklich autark,
dann bist du unabhängig, ehrlich und stark.
Kümmere dich erst um dich selbst und das mit Liebe zum Detail und ganz genau,
das ist nicht egoistisch, das ist schlau.
Hör auf zu zweifeln und sei lebendig,
denk an den Druckabfall im Flugzeug, da ist sowas lebensnotwendig.

Ich bin frei und ungebunden
und auch wenn ich schon immer viel gesprochen hab,
hab´ ich jetzt erst die Sprache gefunden,
mit der ich auszudrücken vermag,
was ich seit Jahren stets vertag,
sich aber in meinem Inneren schon immer verbarg.

Wenn ich jetzt auf all das zurücksehe,
hinnehme, was ich eh nicht verstehe,
meinen Weg Schritt für Schritt weitergehe,
dann mach ich mir einfach nichts mehr draus
und bin und bleib lieber die Maus.

2018 © Stefanie Steenken 
Foto: Stefanie Steenken 

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Die Maus
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CFS – Chronisches Fatigue Syndrom

Ich bin nicht anders, ich bin noch ich.
Ich war mal stark, jetzt bin ich´s nicht.
Ich habe ein Leiden, das kann man nicht sehen, denn ich kann noch gerade gehen.
Das allerdings auch nicht immer, denn es wird oft und ständig schlimmer.
Dann kann ich kaum noch aufrecht stehen, gebückt nur bis zur Treppe gehen,
hinauf geht’s nicht, denn ich trage nicht mal mehr mein eigenes Gewicht.

Ich möchte über mich erzählen und informieren,
die Gesunden aufklären, die Betroffenen inspirieren.
Ich kann nicht für alle reden, eigentlich nur für mich,
erkennst du dich selbst darin ein Stück, dann ist es auch für dich.
Es geht mir generell, ums Kranksein im Speziellen,
dafür, dass man verurteilt wird, wofür man gar nichts kann,
belächelt und nicht ernst genommen, zu Wort kommt man nicht dran.

Mein Arzt hat sechs Minuten Zeit, um zu nehmen mir mein Leid.
Im Wartezimmer komme ich kaum über die Runden, ein Ausharren von knapp drei Stunden
für mich nicht auszuhalten sind, der Kreislauf schwach, der Pegel sinkt.
Dann: Nach drei Minuten wieder draußen, um mich völlig aufzurauchen,
ich fahr nach Haus und leg mich hin, schluck provisorisch Ibuprofen.

Früher habe ich wöchentlich auf Konzerten gerockt,
wenn ich heut was unternehme, gehe ich einmal um den Block.
Ich fragte mal eine Fachfrau: „Wenn es mir gut geht, kann ich dann auch wieder Konzerte
überstehen?“ Sie sagte: „Wenn es Ihnen gut geht, können Sie ne zweite Runde drehen.“
So ist es nun, es ist wie Dreck, das Grippegefühl geht nicht mehr weg.
Das Schlimmste allerdings ist, dass man es nicht sehen kann, ja nicht mal messen,
man zieht sich zurück und wird vergessen.

Aber weil ich dennoch weiß, ich bin nicht allein, setz ich mich hin, fang an zu reimen.
So wie es mir ergeht, das kennen doch viele, deshalb steh ich wieder auf und verfolg meine Ziele.

Es gibt Tage, an denen schaff ich kaum, ne Stulle mir zu schmieren,
dass das dann nicht hilfreich ist, kann ich selbst ganz gut kapieren.
Man soll ausgewogen essen, die Tabletten nicht vergessen, Zucker – wie glutenfrei fressen,
da frag ich mich, wie soll das gehen!? Ich komm nicht hoch, ich kann kaum stehn!

Seit kurzem leb ich nun vegan und hab den Anschein, es geht voran.
Ich mache das aus ethischen Gründen, um zu verringern des Menschen Sünden.
Sie warnten mich: „Du isst doch schon kein Fleisch, dann iss doch wenigstens ein Ei!“
So würden sich nicht füllen meine Depots, aber die Pillen dafür, schluck ich ja sowieso.
Es geht mir gut damit, ich hing schon lange nicht am Tropf,
diese ganze Defizitenscheiße passiert doch nur in deinem Kopf.
Also es kommt ganz sicher nicht vom Tier, denn alles, was du bist, das kommt von dir.

Was verbindet uns im Leben? Einer kann schreiben, ein andrer reden,
wir sollten uns die Hände reichen, uns das Leben mit Verständnis erleichtern,
zusammenhalten, indem wir Wissen vermachen und Infos erschaffen.
Denn wir alle sind gleich. Wenn das die Welt verstanden hat, dann sind wir wieder reich.

Heute habe ich einen Schub, ich fühl mich krank, mir geht’s nicht gut.
Mein Körper liegt, mein Kopf ist an und es läuft: Poetry Slam.
Wie deprimierend es ist, wenn ein Geräusch schon qualvoll ist,
nimmt es dir die ganze Existenz, weil du nichts mehr kannst, nur pennst.
Du kannst dich nicht bewegen, kannst dich kaum allein ins Bett legen,
vor Schwäche weder dein Handy halten noch ein Buch, das ist kein Leben, das ist ein Fluch.
Sobald es besser wird und du mutig wieder die Welt begrüßt, du nächsten Tag schon dafür büßt.

Es gibt Tage, da schreib ich nichts auf, da kommt nichts bei raus.
Aber wenn nur der Körper rebelliert, ist oft ein Rauschen in meinem Kopf,
manchmal erscheint es mir, als gäbe es einen Knopf,
der dann gedrückt ist wie bei einer Tonbandkassette,
dann träume ich davon, wie ich die Welt mit Worten rette.

Auch wenn wir mit unserer Schwäche anecken, dafür sollten wir uns nicht verstecken.
Wir sollten uns vergnügen. Wir sollten uns nicht selbst betrügen.
Wenn es dir gut geht, steh auf und leb. Geh raus und geb´
all denen das, was du zu geben hast, denk dir dabei, es ist ein guter Tag!
Lass Abwasch und Wäsche liegen, mach weiter Stück für Stück,
immer weiter nach vorn und blick bloß nicht zurück.
Lass die anderen reden, so ist das Leben eben,
niemand nimmt dich an die Hand, wenn du das nicht auch selber kannst.

Schalt aus den Schmerz, er kommt schon wieder, bis es soweit ist, tanz wild und sing laut Lieder!
Nimm das Leben, wie es kommt, mach einfach mal, denn mit CFS hast du keine Wahl!

Oft schließe ich die Augen und lass mich treiben, leg mir zurecht diese Worte und Zeilen,
auch an Tagen, an denen ich nichts machen kann, mein Kopf ist wach und hält nicht an.
Im Krankenhaus lag ich mit der Nadel im Arm, ich konnte ihn nicht mal knicken,
trotzdem habe ich versucht, meine Gedanken ins Handy einzutippen,
damit nichts verloren geht von meinem Leidensweg,
denn auch dieses soll in Erinnerung bleiben, vielleicht kann es so die Schmerzen vertreiben?!

Wer mich in dieser Zeit am meisten versteht und stets an meiner Seite steht,
ist mir ein ganz treuer Freund, das „ja“ zu ihm habe ich noch nie bereut.
Er merkt es genau, mir ist schlecht, mein Magen flau,
er legt sich zu mir und bremst mich aus, zeigt mir so an „Ich muss nicht raus.“
So wie ich bin, so liebt er mich und nimmt mich an, ob krank oder gesund,
es ist mein Balsam, es ist mein Hund.

Warum können wir Menschen nur nicht so miteinander kommunizieren,
wortlos unkompliziert das Gegenüber akzeptieren!?

Es gibt so viele Tage auf der Welt, da ist es nicht gut um mich gestellt,
ich fühl mich wie ein Häufchen Elend, doch dann erschaff ich was, was das veredelt.
Nur Wörter sind´s, die ich verbind und somit was zum Ausdruck bring, was klingt.
Was rührt und etwas hervorruft und mir plötzlich jemand zuruft,
den ich noch nie zuvor gesehen und dennoch kann er mich verstehen?!
Er sagt wie gut das ist, er fänd´s toll und ich weitermachen soll,
das nehme ich mir zu Herzen, bin aufgelegt sogar zu scherzen
und stolz, dass es anderen auf dieser Welt
sogar gefällt.

Es gibt so vieles, was man nicht sehen kann. Bevor ihr urteilt, schaltet euer Gehirn mal an.
Es wird noch mehrere Momente geben, in denen du nicht schaffst, was du gerne würdest geben.
Du erschaffst was, was Spaß macht und dann von null auf hundert ist alles, was gerade geboren,
im nächsten Augenblick wieder verloren.

Trotz des Wissens, immer wieder aufstehen zu müssen,
lass ich mich nicht unterkriegen, wenn ich liege, muss ich liegen
und ich träum weiterhin vom Fliegen.
Egal, was manch einer mir einreden mag, auch wenn ich schwach bin, bin ich stark.

2018 © Stefanie Steenken 
Foto: Pixabay 

Noch immer hab ich Bedenken und Angst, dass mich jemand auslacht,
dabei mach ich nichts anderes als das,
was mich ausmacht.
Ich hab Probleme, was andere denken,
versuche Gedanken in Bahnen zu lenken,
in geordnete, so wie es sich gehört,
und dann denk ich, das ist doch das,
was mich stört.
Dass man immer meint, man muss so sein, wie die andern es wollen,
ab jetzt mach ich meins und bring den Stein zum Rollen.

Ich denke noch immer,
dass das nicht mein Ding ist,
das ist mir peinlich, da bin ich eher kindlich.
Obwohl es keine Regeln hier gibt,
was den Inhalt des Textes betrifft,
ist es bei mir so, dass sich alles reimt,
dass der Schwung meiner Worte im Kopf mir schon keimt,
ich weiß nicht woher, es ist einfach so,
denn wenn ich schreibe, dann bin ich im Flow.

Ich bin eher klar und schlicht,
dass ich mutig bin, das denk ich nicht.
Ich bewundere die, die sich auf eine Bühne begeben und reden und von ihrem Leben erzählen, als wär nichts gewesen.
Davor zieh ich echt den Hut,
das find ich gut.
Ich find´s krass, mich auf die Bühne zu stellen und lauthals zu bellen,
denn Hunde, die bellen,
die beißen doch nicht
und ich will was reißen mit einem Gedicht?!
Ist das nicht arm und lächerlich?

Es gibt doch diesen Spruch, der besagt, dass es erst gut ist,
wenn du es nie für möglich gehalten hättest.
Dass ich mal auf ´ner Bühne stehe, dagegen hätte ich gewettet.
Das ist nicht so mein,
ich fühl mich doch klein,
dabei weiß ich, was ich kann und mir liegt halt das Reimen.

Jetzt steh ich hier vor euren Blicken und warte auf Applaus,
aus der Nummer komm ich wohl nicht mehr raus.
Auf dem Weg der Karriere in der Slammer Szene, begab ich mich auch auf Recherche Reise,
dort entstanden ganz simpler weise,
Geschichten, die mein Leben beschreiben
und jetzt hoffe ich, die werden in Erinnerung bleiben.

Ich las auch, dass nur wer lustig ist, gewinnt,
wer witziges erzählt, wird gewählt.
Denn in unserem tristen Alltagsleben
will das keiner hören, geschweige denn reden,
über diese Sachen, die uns krank machen,
wir wollen frei sein, viel trinken, laut lachen.
Ich glaub, bei manchen ist es umgekehrt,
die erzählen Witze auf der Bühne,
dabei haben sie es zu Hause schwer.

Und ich möchte nicht darüber urteilen,
es sind meine Gedanken, die im Kopf mir verweilen.
Das ist auch ok. Aber ich, ich wähle den anderen Weg.
Ich kann und will nicht nur lustig reden,
denn ich erzähl aus meinem Leben,
und ich finde, jeden Text sollte man irgendwie ehren,
sogar vielleicht ein wenig mehr die Schweren.
Die, die Gewicht haben, die, die was aussagen,
es sind die, die was draufhaben.

Wenn du in der Lage bist, was abzugeben,
auf dem Teppich bleibst, nicht abzuheben,
dann zollt dir irgendwann Respekt,
dann bist du du, dann bist du echt.

Meine Kinder lassen Zettel auf meinem Bett liegen,
auf denen steht „Mama, du bist die Beste!“ und dass sie mich lieben.
Das ist es doch, was es ausmacht,
manche meinen, dass ich´s drauf hab,
ich frage mich, ist es glaubhaft,
wenn ich sage, dass ich mich aufraff´,
es ist wie eine Wunde, die aufklafft.

Ich möchte leben,
darüber reden
Ziele anstreben,
loslassen und Neues erleben,
dadurch abheben,
dann loslegen
vieles abgeben
vor dem Ableben.
Weiterhin weitergehen und den Weg meines Lebens bestehen.

Es ist wie eine Welle, die immer höherschlägt,
wie eine Fahne, die über die Grenzen weht.
Erschaffen mit meinen Händen,
in meinen vier Wänden,
Gedanken weitergedacht,
im Leben weitergemacht,
ab und zu drüber gelacht,
dann einfach vollbracht.

Wo ist der Sinn,
wo will ich hin,
ich will schreiben
und in Erinnerung bleiben,
in Gedanken verweilen
und diese Zeilen mit euch teilen.

Und deshalb stell ich mich hier und heute vor die Meute
und denke ob all diese Leute
es gut finden, was du erzählst,
hab ich den Weg doch selber gewählt.
Gibt es nun Regeln und Vorgaben – ich weiß es nicht genau,
kommt bei mir doch alles aus dem Bauch.
Ich wollte nie auf die Bühne –
doch auf einmal ist mir alles egal,
ich muss da jetzt durch, ich hab keine Wahl.

Ich hab nichts gegen auf der Couch rumgammeln,
aber lieber geh ich Eindrücke sammeln,
ich lass den Schein, ich will mehr sein,
deshalb stell ich mich hin
und mach mein Ding,
lass die Angst auch mal zu Haus,
spreche Dinge einfach aus,
denn ich hab jetzt erst gemerkt,
dass das nicht umbringt, sondern stärkt.

2018 © Stefanie Steenken 
Foto: Pixabay 

Wer bin ich? Ich bin ich. Reicht das nicht?
Muss man was sein? Nur so zum Schein?
Muss man was beweisen? In gewissen Kreisen?
Irgendwelche Papiere besitzen und vorlegen,
damit sie dich respektieren und dir was vorleben,
was so gar nicht ist, was dir nicht entspricht,
nur weil das der Vater Staat oder dein Vater sagt,
aber wer hat eigentlich dich gefragt?
Wird man nur mit einem Titel anerkannt,
oder reicht es auch aus, ist man wortgewandt
und nimmt die Zügel selbst in die Hand?

Also ich hab kein Bock mehr, mich ständig fürs ICH Sein entschuldigen zu müssen,
„ich denke, also bin ich“* und mir liegt die Welt zu Füßen.
Ich möcht die anderen lassen, wie sie sind und so sein, wie ich sein will.
Und wenn einer sagt, er will nur chillen,
dann soll er bleiben, wie er will,
ob er studiert ist oder nicht,
trägt für mich doch kein Gewicht,
sondern ob er höflich ist.

Schön wäre es doch, wenn man sich urteilsfrei macht,
aber wissen tue ich, Wertfreiheit bestünde nicht mal, wären wir alle nackt.
Wir würden weiterhin beurteilen, wer wie sitzt oder wie wer geht,
ob was hängt, oder wie was steht,
wir gucken angewidert auf einen dicken Bauch
oder staunen „Dieses Tattoo will ich auch“.
Debattierend ob falsch oder echt,
klagen wir, dass die Welt ist nicht gerecht.
Wir würden denken „Der lässt sich aber gehen“,
oder „Das Sixpack da, das lässt sich aber sehen“.
In unserer intimsten und verletzlichsten Art,
können wir rau wirken oder ganz zart.

Wir versuchen uns zu verstecken,
damit wir nirgendwo anecken
und versuchen uns zu identifizieren,
damit wir uns nicht selbst verlieren.
Anstatt zu laufen mit den Massen
und ständig auf der Suche, nie was zu verpassen,
sollten wir uns selbst mal an die Nase fassen
und kapieren, es ist weitaus besser hier, als zu krepieren.

Ich hab mich selbst ganz oft verrenkt,
weil´s mir wichtig ist, was mein Gegenüber denkt.
Nur weil jemand anders ist, ist es kein schlechter Mensch.
Wenn dir nicht passt, wie mich geb,
was ich mach und wie ich leb,
geh deinen Weg und lass mich in Ruh,
denn in Dingen, die du nicht sehen kannst,
bin ich nicht anders als du.

Ich trag Öko-Klamotten und kein Nicki,
stehe nicht auf Schickimicki,
höre die Fantas und mag den Michi.
Bei mir gibt’s kein Tic Tac,
ich brauche kein Schnickschnack.
Ich bin genügsam aber nicht einfach,
ich bin stark aber manchmal auch schwach.
Ich weiß, was ich will, ich weiß, was ich brauch.
Ich bin eher still aber lach gerne laut.
Und ich mein, ich hab Geschmack,
denn ich trag seit Jahren Chucks.
Damit kann ich mich identifizieren,
ausdrücken und in gewisser Weise sogar individualisieren.
Es scheint zu sein eine Kleinigkeit,
aber gibt mir große Sicherheit,
als gäbe es einen Wohlfühlfaktor da drin
und indirekt ich dann mutiger bin.
Es verändert mein Auftreten,
ich kann darin aufleben,
ein gewisses Selbstbewusstsein hervorheben
und mir besser selbst vergeben.

Ich bin dann mehr ich. Aber wer bin ich eigentlich?
Also so richtig und genau,
ich bin Mutter, Schwester, Frau,
gelernt hab ich Hotelfachfrau,
aber das ist lange her
und interessiert nicht wirklich mehr.
Denn das ist nicht das, was sie in Verbindung mit mir bringen sollen,
ich will, dass sie meine Worte wollen.

Ich schreibe nicht für den Applaus,
es ist in mir drin und es muss heraus,
und aus diesem Grund, stell ich mich hier hin,
obwohl ich mein, das ist nicht mein Ding,
denn auch ich frag mich noch, wer ich bin.

Ich selbst möchte aufhören mit diesen Abstufungen,
all das aufzuschreiben, ist für mich kein Hobby, das ist meine Berufung.
Jeder sollte so sein, wie er sich selber fühlt,
ich bin bei mir, wenn ich mit Worten berühr.
Was mein Weg mir noch bringt, kann ich nicht ahnen,
aber vielleicht mach ich mir irgendwann einen Namen,
von dem dann die Leute reden und erzählen, als wär was gewesen,
vielleicht hab ich sie infiziert, zum Nachdenken inspiriert
und angehalten, dass niemand seine Seele verliert.
Wenn man öfters mal in sich geht,
versucht, die Welt mit anderen Augen zu sehen,
kann man vieles eventuell besser verstehen.
Auch ein Gewitter kann ein schönes Bild abgeben und
unter dem schönsten Sonnenstrahl kann es anfangen zu regnen.
Das Leben ist nun mal nicht gerecht,
auch ich werde älter, aber jünger geschätzt
und ich spreche das aus, denn nur so bin ich echt.

Manchmal ist das Leben einfach beschissen,
dass zumindest, habe ich begriffen,
aber genauso habe ich kapiert,
dass all dies nicht nur mir passiert.
Von außen so unterschiedlich wie Bettler und Scheich,
ist von innen doch vieles gleich.

Hört auf, euch an Äußerlichkeiten festzuklammern,
es bringt rein gar nichts nur rumzujammern,
schaut ab und zu hinter die Fassade und denkt daran:
Es ist nie zu spät, um anzufangen.

Ich bin was ich bin.
Ich bin erwachsen aber dennoch Kind.
Ich habe mir meinen Titel gerade selber gewählt,
denn so bin ich ich und nenn mich Poet.

2018 © Stefanie Steenken 
Foto: Pixabay 
*Zitat: René Descartes 

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Ich bin ich
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Eine Homage an ihren Bruder. Stefanie Steenken slammt ‘So wie du bist’ auf den Kulturtagen DREIERLEI BEGEGNUNGEN in Kremmen 2018. Es ist ihr erster Auftritt, ihr Debüt, aber ganz sicher nicht der letzte…

Foto: Hannah Nolte