Stefanie Steenken

Stefanie Steenken, Baujahr 1975, das bin ich. Wollt ihr noch mehr wissen?

Im Alter von 19 Jahren tingelte ich in Spanien herum, kehrte zwei Jahre später nach Berlin zurück, meiner Heimatstadt, um dort eine Ausbildung im Hotelgewerbe zu absolvieren. Das Stückchen Erde unter Spaniens Sonne ließ mich dorthin wieder zurückkehren, ganze sechs Jahre lang. Ich arbeitete als Schichtleiter, Chef der Rezeption und Reservierung, als Direktionsassistenz und im Personalwesen. Fragt nicht warum, aber mittlerweile lebe, lerne und arbeite ich wieder in Deutschland.

Leben? Mit meinen drei entzückenden Kindern ländlich in Brandenburg. Was sonst noch zu meinem momentanen Glück zählt: Fünf Zwergwidder namens Emmi, Nelly, Schnuppi, Leo und Timmy. Der Hund hört gut und auf den Namen Elli. Die Katze fängt Mäuse und heißt Lotti.

Lernen? Mit 44 Jahren? Ja, selbstverständlich! Denn man lernt bekanntlich nie aus.

Arbeiten? Das auch. Die letzten vierzehn Jahre in der Eventplanung, im Projektmanagement und Marketing. Seit 2012 verdiene ich meine Brötchen freiberuflich im Bereich Büroservice und Promotion Management.

Meine Lieblingsbeschäftigung? Schreiben. Kann man davon leben? Natürlich nicht. Aber wisst ihr was? Ich mache es trotzdem!

Herzlichst,
eure Stefanie

Fotos: Hannah Nolte / Stefanie Steenken

Welche sind die Adjektive, die Sie als Person wohl am treffendsten beschreiben?

Empathisch. Sozial. Nachdenklich. Rücksichtsvoll. Ruhelos.

Wissen Sie, wie andere Sie sehen? Wie Sie auf andere wirken?

Ja, das weiß ich sogar recht aktuell und ziemlich genau. Hilfsbereit, zuverlässig, loyal, organisiert, fürsorglich, großzügig.

Wieso wissen Sie das genau?

Anfang des Jahres habe ich einen Test durchgeführt, der genau dies beinhaltet hat. Ich habe viele meiner Freunde, Bekannten, Kollegen und Vorgesetzten gefragt, welche fünf Wörter ihnen spontan einfallen, wenn sie an mich denken. Das war eine interessante Erfahrung, die jeder einmal machen sollte. Allerdings war es bei mir so großartig, da überwiegend positive Begriffe genannt wurden. Das tut gut und stärkt.

Sind auch negative Eigenschaften genannt worden?

Ja, natürlich. Gestresst. Traurig. Überfordert. Unzufrieden. Unruhig. Aber auch dieses hat mich zum Nachdenken angehalten. Ich möchte weder gestresst noch unzufrieden auf meine Mitmenschen wirken. Die Gemütsverfassung eines jeden Tages ist nie gleich, jeder ist mal überfordert oder mürrisch. Aber als Wesensart möchte ich diese Eigenschaften nicht auf mich beziehen müssen.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Eher schlecht. Ich nehme alles sehr persönlich, vergesse nie und bin nachtragend. Allerdings sind das aber auch Eigenschaften, die mich ausmachen und sich nicht nur in Hinsicht der Kritikunfähigkeit widerspiegeln. Ich erinnere mich nämlich auch an die vielen guten Dinge, die mir begegnet sind und Jahre zurückliegen. In der Pflege meiner sozialen Kontakte bin ich ziemlich stark. Ich habe großartige Freunde, dafür bin ich jeden Tag dankbar. Aber ich weiß auch, dass ich dazu ein großes Stück beitrage.

Was können Sie besonders gut?

Für andere da sein. Zuhören. Mich zurücknehmen.

Was können Sie nicht gut?

Nein sagen.

Was machen Sie gern?

Lesen, schreiben, Rad fahren, Musik hören.

Was mögen Sie gar nicht?

Egoismus. Unsoziales Verhalten. Mathehausaufgaben mit meiner Tochter.

Was besitzen Sie nicht und hätten Sie gern?

Geduld. Und saubere Fingernägel.

Was tut Ihnen gut?

Lesen, schreiben, Rad fahren, Musik hören. Mein Hund.

Wovor haben Sie Angst?

Vor vielem. Jetzt gerade? Das mir etwas zwischen den Zähnen hängt.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?

Ehrlichkeit, Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und generell eine bewusste Lebensweise. Ich versuche ein gutes Beispiel für meine Kinder zu sein.

Indem Sie…?

Respektvoll in und mit meinem Umfeld umgehe. Eine bewusste Einstellung verfolge, was mein Konsum – und Ernährungsverhalten angeht. Indem ich aufkläre und das dann auch so vorlebe. Im Alter von 12 Jahren habe ich beschlossen, mich vegetarisch zu ernähren, das hat bis heute angehalten. Mittlerweile verzichte ich komplett auf tierische Produkte.

Dann sind Sie Veganer!? Immer 100 % konsequent?

Nein. Leider nicht. Es wird einem in dieser Hinsicht auch nicht gerade leicht gemacht. Ich habe Lederstiefel im Schrank und Schaffelle auf der Couch. Unsere Haustiere erhalten Futter mit Fleischzusätzen und auch meine Kinder dürfen wählen. Wofür ich mein Geld ausgebe, entscheide aber immer noch ich selbst und dann fließen auch mal Tränen. Verzicht ist für mich in diesem Sinne eine Bereicherung. Damit kann ich meine Einstellung nach außen tragen und besser schlafen.
Dennoch möchte ich mir die Freude am Essen nicht vermiesen und mache auch mal eine Ausnahme. Trotzdem bin ich der Ansicht, wenn mehrere Menschen so bewusst leben würden, ließe sich das unnötige Tierleid und die unakzeptablen Haltungsbedingungen drastisch verringern.

Haben Sie ein Lebensmotto? Wenn ja, welches?

Mmh, das ist eine schwere Frage. Da gibt es so vieles. Ich liebe Aphorismen! Einer meiner Lieblingssprüche wäre: Tu was du kannst, mit dem, was du hast, dort wo du bist. (Theodore Roosevelt). Oder aber auch: Hör auf zu zweifeln und geh los!

Wieso?

Es spiegelt wohl meine momentane Lebenslage am besten wider. Ich folge der Devise, mit dem glücklich zu sein, was da ist. Nicht immer diesem Streben nach höher schneller weiter hinterherzurennen. Glück oder Zufriedenheit entsteht in unserem Innern. Die essenziellen Gegebenheiten haben nichts mit Reichtum, Statussymbolen oder dem Ort, wo wir leben, zu tun. Du kannst es dir schwer machen. Oder eben leicht. Das soll nicht heißen, dass ich selbst immer den leichteren Weg gewählt habe. Ich würde sogar behaupten, bisher war es andersherum. Ich bin viele Wege gegangen. Wenn man weiß, was man will, ist es leichter. Und das sollte man nie aus den Augen verlieren und dafür kämpfen. Oder: Einfach mal machen!

Wissen Sie, was Sie wollen?

Ja. Für meine Kinder da sein. Leben. Schreiben.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Schreiben tut mir gut. Das hat mich bereits mein ganzes Leben begleitet. Oft konnte ich mich schriftlich besser ausdrücken als mündlich. Ich habe mir viel von der Seele geschrieben und es gibt eine Menge Briefe, die ich verfasst habe. Manche liegen noch immer unabgeschickt im Schuhkarton.

Wo schreiben Sie am liebsten?

Überall. Das meiste entsteht zwischen Tür und Angel durch Alltagssituationen. Beim Spazierengehen mit dem Hund. Im Wartezimmer beim Arzt.

Wie entstehen Ihre Texte?

Vieles ist fertig in meinem Kopf. Es sind Gedanken zu bestimmten Situationen. Mein Antrieb entsteht durch meine Emotionen. Ich bin aufmerksamer Beobachter. Diese Beobachtungen versuche ich in der jeweiligen Situation aufzuschreiben, sonst gehen sie verloren. Die eigentliche Arbeit besteht darin, diese Kritzeleien dann irgendwann zusammenzufügen. Es ist wie ein Zusammensetzen von Puzzleteilen.

Kennen Sie beim Schreiben des ersten Satzes das Ende des Romans?

Ja.

Wieviel Persönliches steckt in Ihren Geschichten?

Viel. Die Gedichte haben bisher fast alle einen persönlichen Adressaten. Es sind meine Geschichten. Zuerst ist es immer nur für denjenigen welchen bestimmt. Bis ich gemerkt habe, dass es auch andere berührt.

Wie das?

Am Vorabend meines ersten Poetry-Slam-Auftrittes war ich auf dem Geburtstagspicknick einer Freundin. Wir waren zu sechst. Ich sagte mir, wenn ich mein Gedicht nicht vor fünf Frauen am See vortragen kann, brauche ich morgen auch nicht auf die Festivalbühne. Es hat mich Überwindung gekostet. Trotz Patzer und extremer Nervosität hatten nach meinem Vortrag vier von den fünf Damen Tränen in den Augen. Das war mein Schlüsselerlebnis. Danach bin ich losgegangen.

Denken Sie, Sie haben der Welt etwas zu sagen?

Ich denke, jeder hat etwas zu sagen. Aber du musst es auch sagen wollen. Wenn deine Worte andere erreichen und begeistern sollen, musst du deine Zielgruppe kennen. Du musst mutig sein und dich trauen, einiges von dir preiszugeben. Vieles wird in der heutigen Zeit durch die digitale Medienwelt vereinfacht und erleichtert. Ich wollte nie an die Öffentlichkeit. Ich bin keine Rampensau und eher schüchtern und zurückhaltend. Aber zu merken, dass du Menschen mit deiner Kreativität erreichst und emotional triffst, dafür geht man dann auch mal über seine Grenzen. Ich vertrete die Meinung, jeder ist in irgendetwas gut. Ich versuche stets auf die Stärken meines Gegenübers zu schauen und nicht auf seine Schwäche. Gelingen tut mir das leider nicht immer. Da fällt mir schon wieder ein Spruch ein. Jeder ist begabt! Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist. (A. Einstein)

Auf was im Leben könnten Sie nicht verzichten?

Schlaf und Schokolade. (Ja, auch manchmal die von armen ausgebeuteten Kühen!)

Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?

Lesen.

Haben Sie Lieblingsautoren?

Ildikó von Kürthy, Sergio Bambaren, Carina Bartsch, Paulo Coehlo

Ein Lieblingsbuch?

Früh am Morgen beginnt die Nacht von Wally Lamb

Katzenzungen von Borger & Straub

Wieso schreiben Sie unter einem Pseudonym und wie kommen Sie darauf?

Ich mag meinen Namen nicht. Ich verbinde damit schlechte Erinnerungen. Außerdem denke ich, dass das die Tauglichkeit zum Bücherverkaufen nicht gerade steigern würde. Steenken ist der Mädchenname meiner Mutter. Ich habe einen Onkel in Holland, der noch diesen Namen trägt. Dem schickte ich nach Veröffentlichung meines Facebook-Accounts eine Einladung zum Liken meiner Seite. Er schrieb mir eine Nachricht: „Hallo Stefanie. Meine Nichte aus Berlin hat mir deine Seite empfohlen. Ich glaube, weil wir den gleichen Namen haben. Mein Deutsch ist nicht perfekt, aber alles was ich lesen kann, gefällt mir!“ Das war lustig. Vor allem, als ich ihm schrieb, ich BIN seine Nichte aus Berlin…

Möchten Sie mit Ihren Büchern Geld verdienen?

Wer möchte das nicht? Das wäre grandios. Das tun zu dürfen, was man in sich trägt und darin finanziell entlohnt zu werden, das ist wohl der Traum vieler. Ich bin Realist. Ich gehe meinen Weg. Der Beschluss, Mitmenschen daran teilhaben zu lassen, hat mich bisher bereichert und gestärkt. Wenn ich damit erreichen kann, dass sich meine Kinder orientieren und geprägt werden, an ihren Zielen und Träumen festzuhalten, dann habe ich schon gewonnen.

05. 05. 2018 // Interview von Rebecca Neuparth 
Foto: Hannah Nolte